Sauer/Scheffler-Orgel Lutherkirche Bad Harzburg

Die Lutherkirche in Bad Harzburg wurde von 1901 bis 1903 im neugotischen Stil erbaut. Sie entstand in einer Zeit, in der sich Bad Harzburg zu einer bedeutenden Kurstadt entwickelte. Der Kirchenraum mit seiner guten Akustik bietet einen besonders geeigneten Rahmen für die große romantische Orgel auf der Westempore.

Die ursprüngliche Orgel wurde 1903 von Wilhelm Sauer aus Frankfurt (Oder) als Opus 891 erbaut und von der Familie König gestiftet. Das Instrument besaß zwei Manuale, Pedal und 29 Register auf pneumatischen Kegelladen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die Orgel mehrfach umgebaut, klanglich verändert und schließlich auch elektrifiziert; dabei blieb jedoch ein erheblicher Teil des historischen Sauer-Pfeifenmaterials erhalten.

In den 1990er Jahren entschied sich die Kirchengemeinde gegen eine bloße Generalüberholung und für eine weitgehende Rekonstruktion des romantischen Instruments. Mit Christian Scheffler aus Frankfurt (Oder), einem Spezialisten für historische Sauer-Orgeln, wurde ab 1997 ein Konzept entwickelt, das den ursprünglichen symphonisch-romantischen Charakter wiederherstellen und zugleich die Orgel um ein drittes Manual erweitern sollte. Der erste Bauabschnitt wurde 1998 abgeschlossen; zum ersten Advent 2001 wurde das rekonstruierte Instrument eingeweiht.

Die heutige Sauer/Scheffler-Orgel verfügt über drei Manuale und Pedal mit insgesamt 40 Registern. Sie arbeitet wieder mit pneumatischen Kegelladen und verbindet restaurierte historische Sauer-Bestände mit sorgfältig nach historischem Vorbild ergänzten Bauteilen und Registern. Klanglich ist sie von warmen, grundtönigen Farben, fein abgestuften Streicher- und Flötenstimmen sowie einem wirkungsvollen romantischen Crescendo geprägt. Damit eignet sie sich in besonderer Weise für die Orgelmusik der deutschen Spätromantik, etwa von Max Reger, Siegfried Karg-Elert oder Julius Reubke.